Eine Fahrradtour von Deutschland nach Nepal
   
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Rückblick auf die Europaetappe Wiesbaden - Ancona
von Tobias Emich (08.08.2002)

Nachdem die harten Fakten wie die gefahrenen Kilometer sowie die mühsam bergauf gestrampelten Höhenmeter des 1. Teils der Reise bekannt sind, möchte ich mich nun einmal dem Lustigen und Kuriosen auf unserer Tour widmen, denn Kilometer und Höhenmeter sind nicht alles auf einer Fahradtour. Viel wichtiger sind die Eindrücke, die man sammelt und die lustigen Gegebenheiten die sich ereignen.

Es war so, wie Dirk und ich es erwartet hatten: Unsere Mitfahrer, die uns zwei bzw. vier Tage begleiteten, hatten jeweils fast mehr Gepäck dabei als wir, die wir um einiges länger unterwegs waren. Im Gegensatz zu uns, die wir jedes Ausrüstungsutensil drehten und wendeten und genau überlegten ob es wirklich notwendig ist dieses oder jenes mitzunehmen, packte der restliche Teil der Truppe alles großzügig ein, was ihnen in die Finger kam. So ergab sich, dass mein Rad anfangs mit einem zusätzlichen Schlafsack von Anja bepackt war. Anja schnallte mir ihren Schlafsack mit den Worten "Wer bis Italien fahren will, wird wohl auch in der Lage sein, etwas mehr Gepäck zu transportieren" aufs Rad. Da hatte sie ja eigentlich auch recht.


Stopp bei MCD
Gleich am ersten Tag stand das Essen ganz oben auf der Hitliste. Kaum waren die schwer bepackten Räder in Schwung gebracht, machten wir auf halber Strecke zwischen Wiesbaden und Worms bei einem McDonalds halt. Völlig ausgehungert stürmten wir den Fastfoodladen, schliesslich waren wir ja schon ganze 30 km gefahren. War übrigens nicht unser letzter McDonalds-Besuch. Eigentlich müssten wir für diese Schleichwerbung gesponsert werden. Vielleicht meldet sich demnächst der Deutschlandmanager persönlich bei Dirk und Roland und schickt ihnen für die weitere Tour einen Packen Fastfoodgutscheine. Wer weiß...

Nach weiteren 30 km erreichten wir den nächsten Essenscheckpoint auf dem Wormser Campingplatz. Dort verpflegte uns unser Chefgrillmeister Felix zusammen mit Nicole mit super Steaks und Salaten. Wenn die Mästerei so weitergehen sollte, dürfte das erste Etappenziel Ancona zumindest vom Kalorienhaushalt gesehen kein Problem darstellen. Am besagten Abend schafften wir neben ein paar Bier und Radlern gerade einmal eine Flasche Wein. Nach einem gewissen Training schafften Dirk und ich nach einer Woche locker zwei Flaschen am Abend (zu zweit wohlbemerkt). Es geht nun mal nichts über ein konsequentes Training, denn was für das Fahrradfahren gilt, ist auch auf andere Bereiche des Lebens übertragbar. Gelungener Transfer, oder?!

Am darauffolgenden Tag kamen wir aufgrund der kurzen Nacht nur sehr spät auf die Fahrräder. Eigentlich komisch, dass die Nacht so kurz war, denn eigentlich werden die Nächte im Sommer je weiter man sich auf der Südhalbkugel dem Äquator nähert länger, sprich es wird früher dunkel. Da wir uns dem Äquator immerhin schon 60 km genähert hatten, müsste sich dieses Phänomen eigentlich schon bemerkbar machen. Vielleicht lag die kurze Nacht aber auch einfach nur daran, dass wir erst sehr spät in die Schlafsäcke gekrochen sind. Dazu eine kleine Anekdote: Anja, Kerstin und Felix schliefen im großen Spacezelt. Dirk und ich im kleinen. Die Drei schafften es, sich falsch herum ins Zelt zu legen, so dass das Zelt für Felix viel zu kurz war. Anja und Kerstin störte dies aufgrund ihrer Größe überhaupt nicht. Im Gegenteil sie wunderten sich wie breit und komfortabel das Zelt doch ist. Felix hingegen harrte die Nacht gekrümmt in seinem Schlafsack aus. Auch nutzen sie nur eine Apside (Vorbau) des Zeltes für ihr Gepäck. Aber Kompliment: Ihr habt es geschafft durch einen geschickten Turmbau euer gesamtes Gepäck in nur einer Apside zu stapeln. Das schafft nicht jeder!

Am nächsten Tag war nach den ersten 30 km auch schon wieder Mittagspause angesagt. Natürlich auch wieder in einem netten Ausflugslokal, wobei wir die Bedienung durch diverse Umbestellungen fast zur Verzweiflung brachten. Das, was auf der Karte steht kann ja jeder bestellen und da wir schließlich sehr individuelle Persönlichkeiten sind, stellte sich jeder sein eigenes Menü zusammen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte jeder sein Traummenü vor sich stehen. Kritiker mögen nun lästern "Die kommen ja keinen Meter voran, fahren ein paar Kilometer und schlagen sich dann die Mägen voll." Diese kritischen Stimmen kann ich beruhigen, wir haben unser Ziel, Ancona in knapp zwei Wochen zu erreichen, getreu dem Motto: "In der Ruhe liegt die Kraft" geschafft. Bei der Abfahrt fragte uns die Bedienung noch wo es denn mit den Rädern genau hingehen sollte. Wir antworteten, dass ein Teil der Gruppe von Speyer aus die Heimreise antritt und Dirk und ich weiter über die Alpen bis Ancona fahren. Felix erzählte noch, dass Dirk vor hat, bis nach Neapel zu fahren. Naja, ob Neapel oder Nepal, ist ja nicht so der Megaunterschied!!! Nachdem wir die Bedienung aufgeklärt hatten, dass nicht die Mafiahochburg Neapel, sondern das Nepal mit den hohen Bergen gemeint war, wusste sie nicht genau was sie davon halten sollte und sagte nur noch "oh, ja schön, dann noch eine gute Fahrt".

Gestärkt von diesem guten Essen fuhren wir noch knapp 90 km nach Rastatt weiter, wo wir ja bekanntlich hochkant vom Campingplatz flogen. Wildcampen war angesagt. In der Nacht, so gegen 4.30h wollte Dirk schon mal das frühe Aufstehen ausprobieren, denn er erklärte mir und Kerstin, dass er jetzt aufstehen wolle. Kerstin und ich sträubten sich jedoch vehement, und da Dirk in der Mitte lag blieb ihm nichts anderes übrig als liegen zu bleiben. Kerstin und ich ließen ihn einfach nicht raus.

Dirk versuchte mich im weiteren Verlauf der Tour immer wieder zum frühen Aufstehen gemäß dem Motto: Morgenstund hat Gold im Mund, zu animieren. Bei mir stieß er jedoch als allgemein bekannten Langschläfer auf taube Ohren. Hast aber eigentlich schon recht gehabt Dirk. Manchmal wäre es schon gescheit gewesen früher aufzustehen, um während der Mittagshitze eine größere Siesta einzulegen. Aber wir kamen ja auch so an.

In einem Kuhdorf im Elsass wurden wir dann noch zur Dorfattraktion, da wir einen Brunnen zu einem Freiluftbadezimmer umfunktionierten, was einge Dorfbewohner mit skeptischen Blicken verfolgten.

In der Schweiz ließen wir erstmal Dirks Fahrrad auf Vordermann bringen. Das Tachokabel wurde gelötet und ein neuer Ständer montiert. Doch unser Vertrauen in die Schweizer Präzesionsarbeit wurde tief erschüttert. Das gelötete Kabel hielt keinen ganzen Kilometer durch und der Ständer bog sich unter der Last des Rades durch, so dass die gesamte Fuhre unter Dirks entsetzten Blick glatt umkippte. Nicht das letzte Mal.
Dirk und Tobias

In der Schweiz stellte die Verständigung keinerlei Probleme dar. Nicht so in Italien. Dirk und ich wollten auf englisch bzw. deutsch nach dem Weg fragen, doch Anfangs ohne Erfolg. Man verstand uns nicht. Schließlich entwickelten wir eine Strategie. Wir nannten nur noch den Ort wo wir hin wollten und setzten einen fragenden Blick auf. Sofort wurde uns in lebhaftem italienisch ausgiebig erklärt wo es lang geht. Wenn wir die Erklärung eines Italieners richtig gedeutet hatten schickte er uns zwar auf direktem und somit kürzesten Weg an unser gewünschtes Ziel. Dieser Weg führte jedoch über die autostrada, also über die Autobahn. Wir lernten daraus! Künftig nannten wir den Ort, wo es hingehen sollte und fügten noch picola strada hinzu, wobei wir zur Sicherheit noch auf unsere Räder zeigten. Und siehe da, es klappte. Interessant war auch, dass wenn wir nach dem Weg fragten sofort eine große Menschentraube um uns herum stand, die diskutierte welcher Weg wohl der beste für uns wäre. Für uns, die wir kein Wort verstanden, eine lustige Sache.

In Cantu suchten wir ein preiswertes Hotel, fanden jedoch keines. Wir mussten wieder einmal auf die Ortskenntnisse der Einheimischen zurückgreifen. Wir fragten eine Frau, die sich dann redlich Mühe gab uns den Weg zu erklären. Wir schienen jedoch so ungläubig zu schauen, dass sie uns zu verstehen gab, dass sie mit ihrer macchina, sprich Auto vorfahre und wir mit den Rädern folgen sollten. Leichter gesagt als getan, denn die gute Frau gab ohne Übertreibung Vollgas und da Cantu recht hügelig ist hatten wir unsere liebe Mühe hinterherzukommen. Wir stampelten als säße uns der Teufel im Nacken, der macchina hinterher. Mit Erfolg. Total fertig kamen wir am Hotel an. Ohne Fleiß kein Preis, der Stress hatte sich gelohnt und das Hotel kam uns vor wie eine Luxusherberge.

In Mailand nächtigten wir wiederum in einem Hotel. Das Hotel hatte zwar nur zwei Sterne, aber ein Zimmerdiener brachte alle unsere Taschen ins Hotelzimmer. Das nenne ich Service, das Trinkgeld hatte er sich redlich verdient.

Die Idee von Roland und seinen Freunden, ihren Rädern Namen zu geben, hat mir so gut gefallen, dass ich mein Rad spontan Elefantino getauft habe. Grau ist es ja schon und wenn es bepackt ist, ist es auch dick und fett wie ein Elefant.

Jetzt bist Du am Zug Dirk. Dein Rad braucht auch noch einen Namen. Warte gepannt auf die nächste Mail!

 

     
       

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