Eine Fahrradtour von Deutschland nach Nepal
   
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11 Fragen an Dirk und Roland
Die Fragen wurden am 16.08.2002 von mir per email gestellt.
1. Dirk/Roland, Du bist jetzt seit einem Monat unterwegs in Richtung Nepal, was hat dich auf deiner Reise bisher am meisten beeindruckt?

Dirk: "Am beeindruckendsten finde ich bisher die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft in der Tuerkei. Man bekommt wirklich ueberall geholfen. Einige Tuerken begleiten einen zu einem Geschaeft, Bankautomat oder was auch immer man sucht. Es vergeht kein Tag, an dem man nicht zu einem Tee eingeladen wird. Die Gastfreundschaft ist ohne finanzielle Interessen, da wir z.B. auch an Tankstellen auf gute Unterstuetzung treffen."

Roland: "Ohne Zweifel Rumaenien: Die Karpaten waren traumhaft, Transsylvanien war fuer mich ein Paradies (Mittelalter), und es war einfach toll zu sehen, dass die Leute, obwohl sie sehr arm sind, trotzdem sehr glücklich wirken. Da konnte man mal sehen, das übermaessieger Konsum nicht notwendigerweise zu einem glücklichen, zufriedenen Leben führt. Das hat meine Lebenseinstellung bestaetigt."

 

2. Was vermisst du auf deiner Tour am meisten?

Dirk: "Die koerperliche Anstrengung ist an den Bergetappen richtig heftig. Dann frage ich mich schon mal warum ich das überhaupt mache und wuerde dann schon mal gerne auf einen motorisierten Untersatz zurueckgreifen. Die kleineren Annehmlichkeiten wie kühle Getraenke in ausreichender Menge, ein sauberes Bad statt Campingplatztoiletten oder ein erholsamer Schlaf ohne Krach, Hitze und Mücken sind teilweise Wünsche auf meiner Tour."

Roland: "Meine Freunde und meine Familie"

 

3. Wie verständigt ihr euch in der Türkei mit den einheimischen Menschen?

Dirk: "Man trifft immer wieder auf Gastarbeiter, die gut deutsch sprechen und einem gerne helfen. Ausserdem kommt man oft mit Englisch weiter. Wir haben auch schon ein paar Worte tuerkisch gelernt und benutzen zu Not Haende und Fuesse zur Verstaendigung."

Roland: "Ich kann ein paar Brocken türkisch, viele sprechen deutsch, manche sprechen englisch, sehr wenige franzoesisch, notfalls Zeichensprache."

 

4. In Deutschland regnete es in den letzten Tagen die meiste Zeit, mit welchen Wetterbedingungen hattet ihr bisher zu kämpfen?

Dirk: "Bei uns war es in der letzten Zeit recht heiss. Die 30 Grad-Marke wurde immer ueberschritten. Besonders fuer mich als hellhaeutiger Typ ist es etwas schwieriger mit diesen Klimabedingungen zurecht zu kommen. Ich muss mich daher stets mit hohem Lichtschutzfaktor eincremen und eine Sonnenkappe tragen. Am Abend folgt taeglich die After-Sun-Behandlung. Das nervt mich schon etwas, ist aber notwendig.
Mit zunehmender Hoehe werden die Temperaturen fuer mich angenehmer werden. Ausserdem tritt langsam ein Gewoehnungseffekt ein."

Roland: "Hitze, Hitze und gelegentlich auch mal Hitze. OK, bis Rumaenien haben wir dann doch auch mal ein bisschen Regen abgekriegt, war aber halb so wild."

 

5. Wenn jemand auf die Idee kommen würde eine ähnliche Reise mit dem Fahrrad zu unternehmen. Welche Tipps und Ratschläge würdest Du ihm jetzt geben?

Dirk: "Fuer eine aehnliche Reise kann ich nur empfehlen sehr fruehzeitig mit der Planung anzufangen. Dies ist alleine schon wegen den Impfungen erforderlich. Bei mir war die Vorbereitungszeit von 3 Monaten neben dem Diplom eher knapp bemessen. Informationen fuer eine Reise in diesem Umfang sind nach naeherer Beschaeftigung mit dem Thema in Bibliotheken und dem Internet reichlich vorhanden. Vorherige Radreisen sollten durchgefuehrt werden, um Erfahrung mit der richtigen Ausruestung sowie deren angemessenen Umfang zu sammeln (Haette ich auf Freunde gehoert, wuerde ich mit doppelt soviel Gepaeck die Berge hoch schnaufen)."

Roland: "Eine normale Antwort würde jetzt den Rahmen sprengen, deswegen nur drei kurze Punkte: Probier, Dir kein Zeitlimit zu setzen, nimm nur mit, was unbedingt notwendig ist (Gewicht sparen!) und such Dir einen Sponsor!"

 

6. Welcher Gegenstand in deiner Ausrüstung ist momentan unverzichtbar? Hast Du Sachen dabei, die Du bis jetzt nicht gebraucht hast?

Dirk: "Es gibt viele Gegenstaende, die taeglich benutzt werden und daher unverzichtbar sind. Sehr wichtig ist z.B. meine Radhose mit einem Polster am Hinterteil. Bisher habe ich meine Reisehaengematte noch nicht benutzt. Im Moment kann ich mir auch nicht vorstellen, sie unbedingt zu gebrauchen, da die relativ baumfreie Tuerkei keine Aufhaengemoeglichkeiten bietet."

Roland: "Unverzichtbar ist meine Radhose Gonso, mein Walkman, mein Stirntuch (anti-schweiss-in-die-Augen-Tuch), mein Werkzeug und natürlich noch ein paar andere Sachen, wie z.B. Klamotten und Hygiene-zeugs. Nicht gebraucht habe ich bisher meinen Ersatzmantel, den Wasserfilter und die Wasserreinigungstabletten, meinen Pullover, meine lange Hose und die Wassersaecke."

 

7. Wie kommt ihr mit dem Geld hin? Kann man gut mit Euro oder Dollar bezahlen?

Dirk: "Besonders die Ausgaben in der Schweiz haben ein Loch in die Reisekasse gerissen. Einige Reparaturen liessen sich schweizer Radhaendler teuer bezahlen, obwohl die Qualitaet nicht stimmte. In Italien wurden einige Ausgaben schon guenstiger aber dennoch waren z.B. die Campingplaetze an der Kueste extrem teuer. In der Tuerkei ist das gesamte Preisniveau sehr freundlich fuer die Reisekasse. Wir gehen fast taeglich zweimal warm Essen und geben pro Essen fuer zwei Personen ca. 4-5€ aus. Die Uebernachtungen schlagen mit 4 € (z.B. heute in Aksaray) und 8 € an der Kueste zu buche. In der Osttuerkei ist jedoch mit geringen Kosten zu rechnen. Bisher zahlen wir mit Tuerkischen Lira. Einmal ist uns das Geld ausgegangen und ein Bankautomat war nicht zu erreichen. Unsere Uebernachtung konnten wir in Euro bezahlen. Aufgrund der starken Inflation sind starke Waehrungen wie der Euro gerne als Zahlungsmittel gesehen."

Roland: "Nur in touristischen Gegenden. Aber man kann in jeder halbwegs grossen Stadt Geld abheben, wir haben also immer türkische Lira auf Tasche... "

 

8. Einige Dinge am Fahrrad sind ja schon kaputt gegangen. Habt ihr immer alle möglichen Ersatzteile dabei oder kann man die in jedem Fahrradladen in der Türkei kaufen?

Dirk: "Wir haben einige Ersatzteile wie Ersatzschlaeuche, Ersatzmantel sowie einige Kleinteile und Werkzeug dabei. Vor bzw. waehrend der Reise (aufgrund der verschiedenen Routen) versuchten wir die Teile aus Gewichtsgruenden abzustimmen. Einige Teile sind in der Tuerkei problemlos zu erhalten. Reparaturen, bei denen handwerkliches Geschick und keine bestimmten Ersatzteile erforderlich sind, koennen hier gut und guenstig mit Improvisationstalent in einer Hinterhofwerkstatt ausfgefuehrt werden. Mein Rad ist mit einer Hydraulikbremse ausgestattet, die sehr wartungsarm ist (in den letzten 5 Jahren keine Probleme gehabt). Sollte hier z.B. durch ein Sturz ein Loch in die Bremsleitung gelangen, muss sicherlich Ersatz aus Deutschland angefordert werden."

Roland: "Ersatzteile sind hier nicht so leicht zu bekommen, hier fahren die Leute fast nur MTB's. Aber wir haben fast alle Ersatzteile dabei, die man brauchen koennte."

 

9. Gibt es bei euch Tage, an denen man überhaupt keine Lust hat auf das Rad zu steigen?

Dirk: "Klar, auch das gibt es. Gerade an einem Morgen nach einer heftigen Etappe, die einem noch in den Knochen steckt, haelt sich die Lust auf das Fahren in Grenzen. Hat man erst einmal den Anfang geschafft, kommt die Lust meist schnell wieder. Rasante Abfahrten belohnen fuer die Anstrengungen des Bergauffahrens und lassen die Muehen schnell vergessen."

Roland: "Kommt schon vor, bei mir aber selten."

 

10. Wieviele Stunden sitzt ihr bei euren Tagesettappen durchschnittlich im Sattel?

Dirk: "Auf dem europaischen Teil der Reise starteten wir meist gegen 10 Uhr (wir kamen nicht aus den Federn, aber die Hitze machte es nicht so erforderlich). Ab der Tuerkei ging es bisher meist sehr frueh gegen 7 Uhr los. Mit Pausen radelten wir bis 13 oder 14 Uhr. Nach der "Siesta" ging es gegen 15 oder 16 Uhr weiter. Im Schnitt kann man je nach Tagesetappe von 5 - 7 Stunden pro Tag im Sattel ausgehen. Bei den weitesten Etappen war es natuerlich entsprechend laenger."

Roland: "5-7 Stunden im Schnitt"

 

11. Welche Dinge kann man bei einem normalen Urlaub (mit dem Flugzeug etc.) im Vergleich zu eurer Radreise nicht erfahren?

Dirk: "Bei einer Reise per Auto faellt die Routenwahl anders aus. Per Fahrrad erreicht man besonders kleine Ortschaften in denen man sich z.B. mit Getraenken versorgt und somit mit den Bewohnern in Kontakt kommt. Es folgen die typischen Fragen nach woher, wohin und warum. Schon ist ein kleines Gespraech entstanden, das sich manchmal sehr ausgedehnt hatte. Die Landschaft wird per Rad natuerlich viel intensiver erlebt (an die grossen Berge kann man sich gut erinnern). Aber auch die kleinen Dinge am Weg koennen besser wahrgenommen werden. Die Veraenderungen der Landschaft, der Gebaeude, der Sprache (im Kaiserstuhl konnten wir unsere eigene Muttersprache kaum verstehen) usw. tritt langsam auf und wir haben Zeit uns daran zu gewoehnen."

Roland: "Man kommt halt doch meistens nur in die touristischen Gegenden, wo man nicht wirklich die Kultur kennenlernt. Stellt euch vor, ihr fliegt nach Bombay, dann nehmt ihr wahrscheinlich ein billiges Taxi zum Hotel und spaeter guckt ihr euch dann nochmal die Sehenswuerdigkeiten an. Wir dagegen werden wohl ca.15km durch die Stadt radeln und dabei durch Slums kommen, wo die Armut so gross ist, dass kein normaler Touri freiwillig dort hingehen würde. Was ich damit sagen will: Wir bekommen mehr als nur einen Eindruck von den Laendern, wir bekommen einen ziemlich guten Querschnitt. Ausserdem lernen wir einfach mehr Leute kennen, weil uns nunmal niemand (kein Reiseunternehmen) beim Organisieren hilft, wir kommen also zwangslaeufig mit den Leuten andauernd ins Gespraech. Last but not least, erfahren wir natürlich die Natur viel intensiver, es macht schon einen gewaltigen Unterschied, ob man mit 100 oder mit 20 km/h durch die Gegend faehrt. Die Eindruecke brennen sich sozusagen laenger in unser Gedaechtnis..."

 

 

 

     
       

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