Eine Fahrradtour von Deutschland nach Nepal
   
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Auf nach Bombay - die ersten Tage und Eindruecke in Indien
01 - 04.11.2002, Dubai /

Nachdem wir endlich die Visa fuer Indien erhalten hatten, stand unserer Weiterreise nichts mehr im Weg. An unserem Abflugtag nutzten wir den "Early-Check-In", um in den Genuss einer grosszuegigen Gepaeckregelung zu kommen. Wir konnten 45 kg pro Person Gepaeck aufgeben und reihten uns zwischen den Indern mit riesen Kisten ein. Das Uebergepaeckproblem war somit gut und guenstig geloest.

Am Nachmittag flogen wir in Dubai ab und erreichten Bombay erst in der Nacht. Nachdem wir unsere Raeder und Gepaeck fast unversehrt in Empfang genommen hatten (Fahrraeder und Fliegen ist ja meist ein Thema fuer sich), buchten wir gegen Vorauskasse ein Taxi im Flughafengebaeude, so wie es uns die Reisebueromitarbeiterin empfohlen hatte. Am Gepaeckband warnten Schilder vor ungerechtfertigter Zahlung fuer Gepaeckwagen und vor ungerechtfertigter Gepaeckkontrolle hinter dem Zoll. Was sollte uns ausserhalb des Gebaeudes erwarten?

Kaum verließen wir den Flughafen, schnappte sich ein Jugendlicher die Taxibestaetigung. Zunaechst ging ich davon aus, dies waere unser Fahrer. Bei diesem Gedanken hatte ich mich aber getaeuscht. Der Jugendliche fuehrte uns zum Taxistand mit lauter alten schwarzen Taxis, die den Vergleich mit einem "Wartburg" aufnehmen konnten. Am Taxi mit der entsprechenden Nummer angekommen, lud der Jugendliche und seine Kumpels die Raeder auf den Dachgepaecktrager und das Gepack in den kleinen Kofferraum bzw. auf den Beifahrersitz. Fuer die ganze Arbeit wollten sie 10 USD. Wir zueckten nach einiger Zeit einen viel kleineren Rupienschein, den sich allerdings unser Taxifahrer unter die Naegel riss. Irgendwann startete der Fahrer den Motor und fuhr durch das Gewimmel bis zur Strasse vor. Wir schlossen die Fenster, damit wir unsere Ruhe vor den Jugendlichen hatten. Nun konnte die Fahrt losgehen - jedoch ging sie nicht sonderlich weit, denn das Taxi machte schlapp. Am Strassenrand hielt das Taxi an und wir mussten die Raeder auf ein anderes Taxi umladen. Als dies endlich erledigt war, konnte die Fahrt in dem fuer Europaeer viel zu niedrigem Taxi losgehen. Die Fahrt fuehrte ueber eine kleine Strasse mit unzaehligen Taxen, Fahrraedern, Motorraedern und Rikschas bis ins Zentrum.

Auf dem Weg kamen wir an einfachsten Behausungen jeder Art vorbei. Es gab vom Zelt über Wellblechhuetten und Bretterbuden bis zum Hochhaus jeder Form der Unterkunft. Bei der ersten roten Ampel kamen verstuemelte Bettler direkt ans offene Taxifenster, um uns ein paar Rupien abzulocken.

In unserem Wunschhotel erfuhren wir, nachdem das Gepaeck im 1. Stock war, dass kein Zimmer fuer uns frei war. Daher mussten wir die Raeder erneut beladen und ein anderes Hotel suchen. Auf der Fahrt, es war mittlerweile nach Mitternacht, fuhren wir an vielen schlafenden Menschen vorbei. Die Leute lagen direkt auf dem Steinboden des Buergersteigs oder bei einer Baustelle in Betonroehren. Manche hatten allerdings auch eine Art Pritsche vor ihrem Verkaufsstand stehen. Jedenfalls war dies ein erschreckender erster Eindruck von Bombay!

Jeder hat ein Bild ueber die Armut in Indien im Kopf, die Armut mit eigenen Augen zu sehen ist allerdings etwas anderes. Im Hellen war die Umgebung gleich viel freundlicher. Von einem kleinen Kulturschock konnte man schon sprechen, allerdings fiel der durch die langsame Gewoehnung an andere Lebensumstaende in der Tuerkei und dem Iran bestimmt viel kleiner aus als bei einem Direktflug aus Deutschland nach Indien.

Den ersten Tag in Bombay nutzte ich gleich zu Besichtigungen. Unser Hotel befand sich in der Naehe vom Gate of India, was mit dem Meer und den Booten einen tollen Anblick ergab. Ausserdem besuchten ich einen Tempel, von dem man eine beeindruckende Aussicht ueber die Bucht von Bombay hatte. Auf dem weiteren Besichtigungsprogramm standen das Ghandihaus, verschiedene Parks und eine Waescherei. Die Waescherei lag in einem Armenviertel und in einer unueberschaufbaren Anzahl von Steinbecken wurde die Waesche von Tausenden gewaschen. Wie die Waesche wieder zum richtigen Eigentuemer findet, bleibt das Geheimnis der Waescherei.

Am Abend lernte ich beim Rasieren im Flur unseres Hotels einen Inder kennen, mit dem wir uns zum Ausgehen verabredeten. Wir besuchten ein teures (fuer indische Verhaeltnisse) Restaurant auf einer Hochhausdachterrasse. Von dort hatte man einen traumhaften Blick ueber die Stadt und fuer mich gab es nach den Aufenthalten in den islamischen Laendern das erste Bier seit Anfang September - das schmeckte. Wir lernten noch zwei Belgierinnen und einen Spanier kennen, die fuer eine Hilfsorganisation in Bombay arbeiten. Der Inder aus unserem Hotel erklaerte uns, in Indien gibt es fuer viele kein Leben wie in Europa, sondern nur Ueberleben. So sassen wir auf der Dachterrasse und hatten durch den tollen Blick ueber die Stadt das Gefuehl in irgendeiner Grossstadt dieser Welt zu sein und die Armut war fast vergessen.

Am darauf folgenden Tag stand ein Bootsausflug zum "Elephant Island" an. Dort besichtigten wir zunaechst alte Kanonen, das war nicht besonders spannend. Die Hauptattraktion der Insel waren alte Hoehlen, die wirklich sehenswert sind. Bei einer kleinen Pause bestellte ich mir einen Sandwich im Restaurant, der jedoch nur nur kurz auf dem Tisch stand. Ein Affe kam von einem Baum gesprungen und griff nach dem Sandwich... Ich konnte nur noch etwas verdutzt gucken. Alle Besucher fanden das ziemlich lustig und der Inhaber brachte mir daraufhin einen neuen Sandwich und verscheuchte die Affen mit einer Steinschleuder. Den Abend verbrachten Roland und ich auf einer Dachterrasse direkt am Meer mit ein paar Bier, denn es war Happy Diwali - das indische Neujahrsfest. Wir erwarteten viele Raketen, gegen 12 Uhr waren allerdings nur vereinzelte zu sehen.

Unsere Reise sollte mit dem Zug aus Bombay gehen und daher hatten wir die Fahrkarten zu besorgen. Wer glaubt, in Deutschland herrscht Buerokratie, der irrt sich. Wir bekamen die Tickets nicht im Bahnhof, sondern im Tourist Office. Dort endlich mit unserem rasanten Taxifahrer angekommen, benoetigten wir unsere Reisepaesse, die natuerlich im Hotel waren. Als wir die Paesse hatten, konnten wir die Tickets nachdem einige Eintragungen in Buechern und PC erfolgt waren, erhalten. Was eine Buerokratie!

(Gesendet am 10.11.02)

     
       

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